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Bon 05 · Gastronomie gründen · Übersicht

Ein Lokal in Österreich eröffnen: Schritte und Zuständigkeiten

Ein Lokal in Österreich eröffnen: Prüfen Sie Standort, Gewerbeberechtigung, Betriebsanlage und laufende Pflichten vor Mietvertrag, Umbau und Eröffnung.

Stand: 9. Oktober 20266 QuellenRedaktion Bonleiste

Wenn Sie ein Lokal eröffnen möchten, prüfen Sie vor verbindlichen Ausgaben zuerst Gewerbeberechtigung, Standort und Finanzierung. Klären Sie vor dem Mietvertrag, ob die geplante Nutzung am gewählten Standort genehmigungsfähig ist. Anschließend regeln Sie die Gewerbeanmeldung, notwendige Genehmigungen und laufende Pflichten vor dem ersten Öffnungstag.

Stand und Prüfgrundlage: Die Angaben folgen den Quellen 1, 2, 4, 12, 13 und 14 mit Rechtsstand 2026 (ohne gesondertes Prüfdatum). Bonleiste arbeitet als unabhängiges Informationsangebot und leistet keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Vor Mietvertrag und Umbau: Standort und Finanzierung prüfen

Empfehlung: Beschreiben Sie zuerst Ihr Konzept mit Speisen, Getränken, Öffnungszeiten, Sitzplätzen und der benötigten technischen Ausstattung. Erstellen Sie dazu einen Businessplan und prüfen Sie Markt, Finanzierungsbedarf sowie Ihre verfügbaren Eigenmittel.

Prüfen Sie danach vor Ort, ob das Wunschobjekt baulich und technisch zu diesem Konzept passt. Besonders wichtig sind dabei Lüftung, Brandschutz und möglicher Lärm durch Ihren geplanten laufenden Betrieb.

Empfehlung: Klären Sie diese Punkte mit der zuständigen Behörde, bevor Sie einen Mietvertrag verbindlich unterschreiben. So können Sie mögliche behördliche Auflagen und deren Kosten berücksichtigen, bevor Sie sich vertraglich binden.

Auch bei einem bestehenden Lokal sollten Sie geplante Änderungen noch vor dem Umbau behördlich abklären. Eine neue Lüftungsanlage oder mehr Sitzplätze können bereits eine Änderungsgenehmigung für die Betriebsanlage erfordern.

Gründungsfahrplan mit vier Freigabepunkten

Die vier Freigabepunkte dienen als empfohlene Entscheidungshilfen für Ihre Planung vor größeren finanziellen Verpflichtungen. Alle gesetzlichen Pflichten für die Gründung sind im Fahrplan ausdrücklich als solche gekennzeichnet.

Schritt Was Sie vorbereiten Freigabepunkt oder Pflicht
1. Konzept und Finanzierung Angebot, Marktanalyse, Businessplan und Finanzierungsbedarf klären Empfehlung: Erst verbindlich investieren, wenn Konzept und Finanzierung zusammenpassen.
2. Standort prüfen Genehmigungsfähigkeit, Lüftung, Brandschutz und Lärmschutz mit der Behörde besprechen Vor Mietvertrag: Offene Standortfragen und mögliche Auflagen klären.
3. Beratung nutzen Gewerbeart, Befähigung und mögliche NeuFöG-Begünstigungen besprechen Empfehlung: Voraussetzungen und benötigte Unterlagen vor der Anmeldung klären.
4. Gewerbe anmelden Anmeldung bei Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat vorbereiten Pflicht: Die für Ihre Tätigkeit erforderliche Gewerbeberechtigung sicherstellen.
5. Betriebsanlage klären Erforderliche Einreichung und gegebenenfalls Fachplanung vorbereiten Vor Umbau: Genehmigungsbedarf und mögliche Änderungsgenehmigung klären.
6. Infrastruktur organisieren Kassabedarf, Belegerteilung und HACCP-Konzept vorbereiten Vor Bestellung der Kassa: Pflicht, Ausnahme und benötigte Funktionen klären.
7. Eröffnung vorbereiten Genehmigungen, Hygiene und laufende Verpflichtungen kontrollieren Vor Eröffnung: Erforderliche Betriebsanlagengenehmigung und betriebliche Abläufe müssen bereit sein.

Quellen: 2, 4, 12, 13 und 14 (Rechtsstand 2026; ein gesondertes Prüfdatum liegt nicht vor).

Welche Gewerbeberechtigung kommt infrage?

Das Gastgewerbe ist nach § 94 Z 26 Gewerbeordnung in Österreich grundsätzlich ein reglementiertes Gewerbe (Quelle 2). Pflicht: Für die Anmeldung benötigen Sie einen Befähigungsnachweis, beispielsweise durch eine passende Ausbildung oder eine Befähigungsprüfung.

Zu den persönlichen Voraussetzungen zählen Volljährigkeit, eine EU- oder EWR-Staatsbürgerschaft oder Gleichstellung sowie fehlende Ausschlussgründe (Quelle 2). Welche konkrete Berechtigung zu Ihrem Angebot passt, klären Sie am besten anhand Ihres geplanten Betriebskonzepts.

Ausnahmen: Für eine Buschenschank oder die Privatzimmervermietung bis zehn Betten als häusliche Nebenbeschäftigung entfällt die Gewerbeanmeldung (Quelle 2). Diese eng gefassten gesetzlichen Ausnahmen lassen sich nicht pauschal auf andere kleine Gastronomiebetriebe übertragen.

Wenn Sie einen Gewerbeschein beantragen möchten, melden Sie das Gewerbe bei der Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat an (Quelle 4). Unsere Seite zur Gewerbeberechtigung für Gastronomie erklärt alle Voraussetzungen und Schritte für Ihre weitere Vorbereitung.

Wann ist eine Betriebsanlagengenehmigung relevant?

Pflicht: Eine Betriebsanlagengenehmigung ist vorgeschrieben, sobald Ihr Lokal Gefährdungen oder relevante Emissionen verursachen kann (Quelle 12). Dazu zählen vor allem Lärm, Geruch und Rauch sowie mögliche Auswirkungen auf Nachbarschaft oder Gäste.

Bei der Gewerbeanmeldung selbst muss dieser Bescheid noch nicht vorliegen, wohl aber vor der Inbetriebnahme der Betriebsanlage. Die reine Gewerbeanmeldung berechtigt Sie daher noch nicht zur Eröffnung einer genehmigungspflichtigen Betriebsanlage.

Ausnahme: Bestimmte einfache Anlagen können nach der Genehmigungsfreistellungsverordnung von der Genehmigungspflicht ausgenommen sein (Quelle 12). Schließen Sie jedoch nicht allein wegen einer kleinen Betriebsgröße auf eine solche gesetzliche Befreiung.

Die Seite Betriebsanlagengenehmigung für ein Gastronomielokal prüfen vertieft diese Standortfrage für die Vorbereitung Ihres Behördengesprächs.

Laufende Pflichten vor der Eröffnung organisieren

Pflicht: Stellen Sie ab dem ersten Barumsatz die Belegerteilung sowie alle Hygiene- und Dokumentationsabläufe sicher (Quelle 1). Ein allgemeines Gesundheitszeugnis existiert nicht, doch die Lebensmittelhygiene und die HACCP-Dokumentation sind laufend einzuhalten.

Ab 15.000 Euro Jahresnettoumsatz und 7.500 Euro Barumsatz netto ist eine RKSV-konforme Registrierkasse verpflichtend (Quelle 1, Rechtsstand 2026). Empfehlung: Prüfen Sie beide Umsatzgrenzen und mögliche Ausnahmen genau, bevor Sie eine Kassa verbindlich bestellen.

Ausnahme: Für Umsätze ohne feste Räumlichkeiten gilt ab 1. Jänner 2026 eine Grenze von 45.000 Euro Jahresnettoumsatz (Quelle 1). Ob diese sogenannte Kalte-Hände-Regelung auf Ihren Betrieb zutrifft, sollten Sie vorab im Einzelfall prüfen.

Freiwillige Option: Ab 1. Oktober 2026 dürfen Belege mit Zustimmung der Gäste auch digital übermittelt werden (Quelle 1). Die gesetzliche Pflicht zur Belegerteilung bleibt davon unabhängig für jeden einzelnen Barumsatz bestehen.

Unsere Seite zur Registrierkassenpflicht in Österreich erläutert die Voraussetzungen, technischen Anforderungen und Ausnahmen ausführlicher. Klären Sie vor der Eröffnung außerdem Ihre laufenden Verpflichtungen gegenüber SVS, Finanzamt und Wirtschaftskammer.

Mit der Gewerbeanmeldung entsteht automatisch die gesetzliche Pflichtmitgliedschaft in der zuständigen Wirtschaftskammer (Quelle 4). Berücksichtigen Sie deshalb auch die laufenden Umlagen der Wirtschaftskammer von Beginn an in Ihrer Finanzplanung.

Kosten der Gewerbeanmeldung und weitere Ausgaben

Die Gewerbeanmeldung selbst ist bei der Behörde in Österreich gebührenfrei (Quelle 13, Rechtsstand 2026). Für weitere behördliche Verfahren, Gutachten oder Fachplanungen können während der Gründung dennoch Kosten entstehen.

In Ihrem Gründungsbudget müssen Sie unter anderem Einrichtung, Mietkaution und erforderliche Planungsleistungen berücksichtigen (Quelle 13). Pauschale Startkosten bieten nur eine grobe Orientierung und ersetzen keine Kalkulation für Ihr konkretes Lokal.

Die Übersicht Kosten der Gewerbeanmeldung und weitere Gründungsausgaben trennt die Anmeldung klar von den übrigen Ausgaben. Freiwillige Option: Prüfen Sie mögliche Begünstigungen nach dem NeuFöG, etwa für bestimmte Firmenbuchgebühren bei erfüllten Voraussetzungen (Quelle 13).

Welche Stellen beraten zur konkreten Gründung?

Das Gründerservice der Wirtschaftskammer bietet eine kostenlose Erstberatung sowie Informationen zum Gewerbe- und Betriebsanlagenrecht (Quelle 14). Besprechen Sie dort insbesondere Gewerbeart, Befähigungsnachweis, den Ablauf der Anmeldung und mögliche Begünstigungen nach dem NeuFöG.

Für die Gewerbeanmeldung selbst ist die Bezirksverwaltungsbehörde Ihre Anlaufstelle, also die Bezirkshauptmannschaft oder das Magistrat (Quelle 4). Mit dieser zuständigen Behörde klären Sie außerdem direkt die konkreten Anforderungen an Ihre Betriebsanlage (Quelle 12).

Empfehlung: Nehmen Sie Ihr schriftliches Betriebskonzept und eine Liste geplanter Umbauten bereits zum ersten Gespräch mit. Bei anspruchsvollen Fragen zu Lüftung oder Brandschutz ist ergänzend eine entsprechende technische Fachplanung sinnvoll.

Alle Ratgeber zu diesem Thema

Quellen

  1. Gastgewerbe gründen 2026: Checkliste + Kosten | Österreich everbill.com
  2. Die Gastgewerbeberechtigung - WKO wko.at
  3. Gewerbeanmeldung in Österreich - WKO wko.at
  4. Grundsätze zur Betriebsanlagengenehmigung - WKO wko.at
  5. Gründungskosten - WKO wko.at
  6. Beratung im Gründerservice - WKO wko.at

Diese Inhalte dienen der allgemeinen Information für Gastronomiebetriebe in Österreich. Sie ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Verbindliche Auskünfte erhalten Sie bei der zuständigen Behörde; persönliche Beratung bieten Rechtsanwältinnen, Rechtsanwälte und Steuerberatungskanzleien. Information statt Beratung